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Rentiere haben im Winter blaue Augen

Während die Augen der Rentiere im Sommer eher braun erscheinen, erscheinen sie im Winter dunkelblau. Diese Veränderung hilft den Tieren, im arktischen Winter besser zu sehen.

Hinter der Netzhaut vieler Tiere liegt eine spiegelnde Struktur, das sogenannte Tapetum lucidum. Diese Schicht reflektiert Licht, sodass es ein zweites Mal durch die lichtempfindlichen Zellen läuft. Dadurch wird das vorhandene Licht effizienter genutzt. Bei Rentieren verändert sich die Struktur dieser Schicht mit den Jahreszeiten.

Im arktischen Sommer scheint die Sonne fast rund um die Uhr. Die Struktur der reflektierenden Fasern ist relativ locker, sodass Licht stärker gespiegelt wird und die Sicht bei hellerem Licht scharf bleibt.

Im Winter herrscht in der Arktis lange Dämmerung. Dann steigt der Druck im Auge leicht an, wodurch sich die Fasern im Tapetum lucidum dichter zusammenpressen und die Netzhaut wird empfindlicher für schwaches Licht. Das Bild wird zwar etwas weniger scharf, aber die Tiere können in der dunklen Umgebung viel mehr Licht wahrnehmen.

Rentiere können auch ultraviolettes (UV) Licht sehen. Während bei Menschen die Augenlinse UV-Strahlung weitgehend blockiert, lässt die Linse von Rentieren einen Teil dieses Lichts zur Netzhaut durch. Das ist im arktischen Winter äußerst nützlich. Schnee reflektiert UV-Licht sehr stark, viele andere Materialien jedoch kaum. Dadurch entstehen starke Kontraste. So können Rentiere in der monochromen Winterlandschaft wichtige Details erkennen, die für andere Tiere unsichtbar bleiben.

Zudem fluoreszieren einige Pflanzen (z. B. das Chlorophyll) und die Pflanzen können auch dadurch besser wahrgenommen werden.

weitere Literatur:

Robert A. E. Fosbury, Glen Jeffery (1977): Reindeer eyes seasonally adapt to ozone-blue Arctic twilight by tuning a photonic tapetum lucidum. Proc Biol Sci, 289, 20221002. https://doi.org/10.1098/rspb.2022.1002

Dominy, N. J., Hobaiter, C., & Harris, J. M. (2023). Reindeer and the quest for Scottish enlichenment. I-Perception, 14(6). https://doi.org/10.1177/20416695231218520